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Ray Davies und Bob Dylan: Hidden Champion und Kultfigur

KI-Bild von Microsoft Copilot erzeugt

Bob Dylan kennt jeder – zumindest dem Namen nach. Der einzige Mensch auf diesem Planeten, der Bob Dylan tatsächlich kennt, dürfte jedoch Bob Dylan selbst sein. In Anspielung auf sein unergründliches Wesen und den damit verbundenen Kultstatus brachte ihm das im Laufe der Zeit den ironischen Spitznamen „His Bobness“ ein.

Nichts davon trifft auf Sir Raymond Douglas Davies zu. Der Londoner Ray Davies, wie er sich selbst nennt, ist der Kopf der Pop- und Rockband The Kinks und seit dem Ende der Band auf Solopfaden unterwegs. Er ist der Hidden Champion der Popwelt – ein Künstler der Spitzenklasse mit einem gewaltigen Œuvre bei vergleichsweise geringer Bekanntheit. Und das ist schreiend ungerecht. Weiterlesen

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Nein zum Irankrieg: Merz gibt den Schröder

 

Handelsschiffe in der Meerenge von Hormus, ein Kampfjet startet vom US-Flugzeugträger Abraham Lincoln. Quelle: Wikipedia (gemeinfrei)

Pistorius möchte die Meerenge von Hormus diplomatisch verteidigen – gegen die hochgerüsteten iranischen Revolutionsgarden. Die Linke ergibt sich gleich den Juden- und Israelfeinden. Und was macht der Kanzler? Der will anders als das iranische Restregime nicht eskalieren.

Was soll der Verteidigungsminister als Gefangener seiner SPD tun, wenn Oberkrieger Trump die Nato zur begleitenden Seeschlacht ruft gegen die islamischen Drohnen- und Raketenkrieger und Merz gleich abwinkt: keine deutschen Kriegsschiffe zur Sicherung der freien Schiffspassage auf einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Wie einst Schröder: „Wir lassen uns nicht in den US-Krieg hineinziehen.“ Kriegstauglichkeit war gestern, muss da auch der tapfere Boris P. einsehen. Jetzt gilt es die pazifistische Sozialdemokratie zu retten, die in Baden-Württemberg nur knapp dem Fallbeil der Wähler entging. Weiterlesen

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HEY GROK, HÖR MAL ZU: ICH REDE NICHT MIT KI !!!

KI-erstellt mithilfe eines Prompts von Grok und dem Verriß unseres Filmplakats…

Oder, warum mich selbst Elons KI mindestens so nervt, wie früher meine Schwester.

Hier ist mein ´Set of Rules´ 2026. 

Grok* empfiehlt mir, diesen Text aus therapeutischen Gründen im Textergänzungsspeicher zu hinterlegen. Zum Beispiel jedesmal, wenn ich „leck mich!“ schreibe – was ich niemals tue, damit es nicht zu Missverständnissen oder fortan zu unerwünschter Textergänzung an der falschen Stelle kommt – ergänzt dann mein Rechner eigenhändig den folgenden Briefing-Rant. Zur Nachahmung ausdrücklich empfohlen. Nützlich für Berufsneurotiker, wie mich, die sich von dem Assist der AI Effizienzgewinne erhoffen, anstelle von Bluthochdruck!  Weiterlesen

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Cem Özdemir: Der Traum einer Urgrünen geht in Erfüllung

Künftiger Ministerpräsident Cem Özdemir, Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0

Mit seiner Wahl geht etwas auf, das ich seit Gründung der Grünen und den vielen Kämpfen in der Partei mit mir herum getragen habe. Obwohl es auch ruhig eine Frau wie die deutsch-türkische Landtagspräsidentin hätte sein können. Das kommt ja hoffentlich noch.

Ein anatolischer Schwabe und Erdogan-Gegner, Freund des auch mal schlitzohrigen Pragmatismus, bürgerinnennah und nicht immer auf Parteilinie, ein Dorn im Auge der Grünen Jugend, die sich in Linksradikalismus gefällt. Wie ich ein Kritiker der faulen Toleranz gegenüber reaktionären Muslimvereinen. Einer, der die Tugenden, die ihm seine Eltern beigebracht haben wie Respekt vor dem Alter und Höflichkeit, nicht weggeschmissen hat für neumodische Lifestlyes und Selbstüberschätzung. Einer, der viele Auf und Abs mit und gegen die Mehrheit der Grünen erfahren hat als Abgeordneter, Parteivorsitzender und Minister. Dessen Traum auch mal Außenminister war. Weiterlesen

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Sie waren die Zukunft

Buch-Cover, copyright: Altneuland- und kanon-Verlag

Über Israel gibt es unendlich viele falsche Darstellungen. Eine von Linken, arabischen Palästinensern und Islamisten häufig verbreitete ist, dass der jüdische Staat ein Projekt kolonialistischer Siedler sei. Dabei wurde das moderne Israel zu einem erheblichen Teil von linken Zionisten aufgebaut.

Ihr Ziel schon vor der Shoa war nicht, arabisches Land zu besetzen, sondern für Juden in der ganzen Welt nach Jahrtausenden der Vertreibung und Verfolgung eine sichere Heimstatt in ihrem Stammland und eine neue sozialistische Gesellschaft zu schaffen. Kernstück waren und sind die Kibbuzim, zu Deutsch: Kollektive, agraische Ansiedlungen. Davon erzählt Yael Neeman in ihrem Buch „Wir waren die Zukunft„. Weiterlesen

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Jacques Brel: Notizen zu einer gescheiterten Annäherung

Bild von ChatGTP nach Angaben von AP erstellt.

Also, ich hab’s versucht. Ulf Kubanke hatte mich mit seinem Text über Jacques Brel ein wenig beschämt. Denn ich konnte noch nie mit französischen Chansonniers etwas anfangen, und vielleicht lag das an musikalischer und sprachlicher Faulheit meinerseits. Also habe ich, weil Ulf das empfahl, mir das Live-Album „Olympia 61“ angetan. Es war, das muss ich zugeben, eher Arbeit als Vergnügen, und um mich zu erholen, musste ich mir anschließend das Live-Konzert von Judy Garland im Manhattan Center (1962) anhören.

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Eine Schriftstellerin als Hotelchefin: Das Literaturhotel in Berlin-Friedenau

Clemens Meyer, Volker Braun, Christa Wolf, Hans Christoph Buch, Peter Schneider, Judith Hermann, Christoph Meckel. Diese Schriftsteller haben aus ihren Büchern gelesen im Uwe Johnson-Salon. So heißt der Frühstücksraum des Literaturhotels in Berlin Friedenau. Dem beschaulichen Kiez, in dem Literatur einen ausgezeichneten Nährboden fand. Erich Kästner, Uwe Johnson und Günter Grass wohnten in der Niedstraße, Max Frisch in der Sarrazinstraße, Herta Müller in der Menzelstraße und Hans-Magnus Enzensberger in der Fregestraße. Fregestraße 68, das ist auch die Adresse des Literaturhotels.

Fotos: Cornelia Echte-Zimmer, ausser Grönemeyer: Literaturhotel Berlin

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Die größten Kritiker des Rezensenten waren früher selber Enten.

Ach, was wäre das Leben des Musik-Kritikers ohne seine schärfsten Kritiker, die Leser. Die immer wieder ihre hochgeschätzte Meinung kundtun, weil der böse Rezensent das Werk ihrer geliebten Kapelle falsch verstanden hat. Selbst dann, wenn er eigentlich gar nichts Grundsätzliches an den gebotenen Ton-Reihungen auszusetzen hatte. Jede Kritik liest der Fan grundsätzlich als Verriss, und dann greift er zur Feder und produziert Stilblüte um Stilblüte.

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There are places I’ll remember… (4): Hotel California

Illustration: Von Perplexity KI-generiert nach Anweisungen von Alan Posener

Ein Klassiker. Und wenn Jeff Bridges als der Dude in „The Big Lebowski“ sagt: „I hate the goddam fucking Eagles, man!“ – und daraufhin vom schwarzen Taxifahrer rausgeschmissen wird –, so läuft im selben Film in der großartigen Bowling-Szene mit John Turturro „Hotel California“. Allerdings in der Fassung der Gypsy Kings. Die ihrerseits nur beweisen, dass eigentlich nur die Eagles den Song spielen und singen können.

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Die Sechziger: Panorama eines Jahrzehnts wie kein anderes (3/3)

Kein Jahrzehnt gleicht dem anderen – geschenkt. Doch die 1960er Jahre markieren mehr als nur eine weitere Etappe der Nachkriegsgeschichte. In dieser kurzen Epoche ballten sich politische Umbrüche, gesellschaftliche Aufbrüche und technologische Neuerungen in einem Ausmaß, gegen das spätere Dekaden fast verblassen.

Einige der damaligen Geschehnisse habe ich aus der Erinnerung wiederbelebt, nachrecherchiert und auf ihren Kern verdichtet. Die Schilderungen stammen aus der Perspektive eines in Bonn lebenden Westdeutschen; für diese Einseitigkeit bitte ich Ostdeutsche um Nachsicht. Nun denn – ein Jahrzehnt wird besichtigt, stilistisch inspiriert durch Florian Illies, der dieses Genre erdacht hat. Hier nun Teil 3, 1967 – 1969. Weiterlesen

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Der Cem – das Schlitzohr

Anatolischer Schwabe Cem Özdemir, Foto: Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0

Cem Özdemir, der strahlende Wahlsieger und künftige Ministerpräsident im Ländle, hat viele Schläge und Rückschläge einstecken müssen, bis er ganz oben ankam, Lebenstraum vieler Migrantenkinder. Geholfen haben ihm Charme, Realismus, Hartnäckigheit – und Gewitzheit.

Ich lernte ihn Anfang der 1990er Jahre in Bonn als jungen Bundestagsabgeordneten kennen. Und schätzen. Bei Journalisten und Medien war er schon damals beliebt, weil er dem Klischee eines Sohns von Gastarbeitern aus Anatolien so gar nicht entsprach. Keiner, der sich ewig beklagte über Diskriminierungen, sondern eifrig nach vorne drängte. Ich lernte viel vom ihm über die Verhältnisse in der Türkei und der muslimischen Community. Er nahm mich mit in eine alevitische Moschee. Dann aber kam sein großer Auftritt. Weiterlesen

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