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Der Spiegel des Perseus

Perseus blickt in den Spiegel. Vom Autor mit KI erstellt (Gemini)
Künstliche Intelligenz, die Paralyse der Hochkultur und das Recht auf die große Erzählung.

Als Komponist bin ich es gewohnt, feine Nuancen zu erfassen und aus dissonanten wie konsonanten Zutaten weite, tragfähige Bögen zu bauen. Es ist ein Handwerk, das es in unserer von permanenter Hysterie geprägten Gegenwart nicht gerade leicht hat. Während die Algorithmen des Silicon Valley unsere Wahrnehmung gezielt in Affekt-Häppchen zerstückeln, verharren die hiesigen Medien in einer permanenten geopolitischen Angst-Schleife. Es ist, als fehle uns allen in diesem täglichen Strom aus Krisenmeldungen der Kompass, um die Ereignisse noch richtig einordnen zu können. Aus der verständlichen Sorge heraus, uns aufrütteln zu müssen, starren die Medien gebannt auf die Drohkulisse eines vermeintlich drohenden Weltkriegs – während uns die eigentliche Gefahr unbemerkt durch die Finger gleitet: eine massenhafte, digital verfeinerte Manipulation, welche die Zerstückelung unserer Wahrnehmung, die Polarisierung oder gar Aufhetzung unseres Denkens und letztlich sogar die psychische Zerrüttung ganzer Gesellschaften vorantreibt.

Wir erleben eine Art kollektiver Starre, die sich als Flucht in Komfortzonen der Wahrnehmungsmuster beschreiben lässt. In einer Lage, die dringend ein Umdenken erfordern würde, klammern wir uns an veraltete Muster, um die Welt zu interpretieren. Man verweigert sich der durch jede Pore hereindrängenden Gegenwart und igelt sich im Altbekannten ein. Die Massenkultur lässt sich ihre Werke in sekundenkurze, algorithmus-gerechte Häppchen zerhacken, die jeden Sinnzusammenhang sabotieren, während sich die Hochkultur in ihrem bequem eingeübten Dekonstruktivismus und der permanenten Selbstkritik des Westens ergeht. Wir erleben die freiwillige Kapitulation des Verstandes vor einer künstlich fragmentierten Welt – schlicht, weil wir verlernt haben, der Zerstückelung die Stirn zu bieten.

Bitter nötig ist daher ein grundlegender Perspektivwechsel: Wir müssen die Geister der reaktionären Dystopien bannen und die Digitalisierung als das begreifen, was sie sein kann – ein Werkzeug, das uns nicht die Handlungsunfähigkeit diktiert, sondern uns zwingt, endlich wieder in großen Mustern und neuen Strukturen zu denken. Denn nur so lässt sich das verteidigen, wofür Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, Heine ins Exil gezwungen wurde und wofür heute im Iran und anderen Ländern Menschen am Galgen enden: Die große Erzählung von der Würde des Einzelnen und den Werten der Aufklärung.

Die Vordenker der reaktionären, feudalistischen Technokratie im Silicon Valley – allen voran Tech-Milliardär Peter Thiel oder der NRx-Ideologe Curtis Yarvin – haben begriffen, dass man eine Gesellschaft am effizientesten entmündigt, indem man ihr die Fähigkeit zur kohärenten Erzählung raubt. Ihr Meisterstück ist ein algorithmisches Ökosystem, das gewissermaßen ein ästhetisches Verbrechen an unserer Wahrnehmung verübt: Es hackt die Realität in unzusammenhängende, rein affektgesteuerte Sekunden-Häppchen. Curtis Yarvin goss seine Verachtung für den demokratischen Diskurs in die radikale Formel, dass die moderne Demokratie ein dysfunktionales Betriebssystem sei. Den westlichen Kulturbetrieb und die etablierten Medien diffamiert er als eine homogene, links-progressive „Kathedrale“, die das Denken der Masse kontrolliere. In seinen neoreaktionären Manifesten („An Open Letter to Open-Minded Progressives“) fordert er daher, dieses System zu zerschlagen und den Staat durch eine „unternehmerische Diktatur“ abzulösen, die wie ein Tech-Konzern von einem allmächtigen „CEO-Monarchen“ geführt wird. Flankiert wird dieser technokratische Quasi-Feudalismus von einer religiös aufgetakelten Endzeit-Rhetorik. Peter Thiel warnt in seinen philosophisch-theologischen Vorträgen düster davor, dass die Menschheit geradewegs in ein apokalyptisches Endspiel hineinläuft, und deklariert, wir sollten uns „mehr um den Antichristen sorgen als um Armageddon“. Doch diese apokalyptische Inszenierung ist ein exzentrischer Blödsinn mit System. Das Geraune vom metaphysischen Weltuntergang dient einzig dazu, die reale menschliche Handlungsfähigkeit zu delegitimieren. Wer den Teufel an die Wand malt, will sich selbst als absolutistischen Retter inszenieren. Es ist die psychologische Zange des Silicon Valley: Während der eine Schenkel im Stil eines mittelalterlichen Wanderpredigers eine unaufhaltsame kosmische Dystopie heraufbeschwört, reduziert der andere den Menschen auf ein vulgär-materialistisches Reiz-Reaktions-Schema – ein so stumpfes wie deterministisches Weltbild, das uns jegliche Freiheit abspricht. Dieser doppelte Angriff soll den Glauben an die gestaltende Kraft des demokratischen Kollektivs im Keim ersticken.

Als Komponist weiß ich, dass Musik – genau wie ein funktionierender demokratischer Diskurs – Zeit, Entwicklung und das bewusste Aushalten von Spannungen und Dissonanzen braucht, um Sinn zu stiften. Der endlose, flirrende Feed der Gegenwart sabotiert diesen weiten Bogen systematisch; er konditioniert das menschliche Gehirn auf den permanenten, abrupten Bruch. Wo kein Raum mehr ist für den langen Atem, wo Gedanken im 30-Sekunden-Takt zertrümmert werden, kollabiert das gemeinsame Fundament einer Gesellschaft. Diese künstliche Fragmentierung ist kein technischer Betriebsunfall, sondern die bewusste Zerstörung jener geistigen Strukturen, die wir benötigen, um eine komplexe Welt überhaupt noch intellektuell durchdringen und politisch gestalten zu können.

Dabei ist es keineswegs die Technologie an sich, die uns in diese Lähmung treibt. Wie der Philosoph Markus Gabriel in seinem Buch Ethische Intelligenz überzeugend darlegt, liegt das Problem nicht in der Maschine, sondern in unserem Blick auf sie. Begreift man Künstliche Intelligenz eben nicht als reaktionäre Dystopie, die den Menschen ersetzt, sondern als faszinierendes Gegenüber und als Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten, wird der eigentliche Perspektivwechsel deutlich. Als wahrer Perseus-Spiegel konfrontiert uns diese Technologie mit unserem eigenen Geist und erweitert die Möglichkeiten der Psyche: die tiefen Sprachmodelle und digitalen Werkzeuge unserer Zeit erweisen sich so als ermutigende, empathische Resonanzräume, die uns völlig neue Möglichkeiten an die Hand geben. Sie nehmen uns das Handwerk nicht ab, aber sie fordern unsere menschliche Intuition und unseren Erfindergeist auf bisher ungekannte Weise heraus. Sie zwingen uns geradezu, das fragmentierte Klein-Klein zu verlassen und endlich wieder in jenen großen Mustern, weiten Bögen und tiefen Strukturen zu denken, die echte Kultur ausmachen. Geistiges und Schöpferisches bekommen in diesem Dialog eine ganz neue Relevanz – als produktiver Widerstand gegen die Zerstückelung der Welt.

Wie tief diese Lähmung bereits sitzt, zeigt sich im Zustand der strategischen Kommunikation in unseren Leitmedien. Anstatt die Bevölkerung für die realen, hybriden Angriffe der Gegenwart zu sensibilisieren – seien es Desinformationskampagnen, Sabotageakte oder Cyberangriffe auf unsere Infrastruktur –, verharren Talkshows und Schlagzeilen im Modus der reinen Überwältigung. Es ist ein kommunikativer Offenbarungseid: Die konkreten, digitalen Nadelstiche im Hier und Jetzt werden nahtlos mit der abstrakten Dystopie eines großen, konventionellen Krieges vermischt. Dem Bürger wird so das Gefühl der totalen Ohnmacht eingejagt, anstatt ihm die Werkzeuge zur rationalen Einordnung zu geben. Das klingt alles sehr nach 1980, aber wir leben im Jahr 2026 in einer ganz anderen Lage.

Als Musiker schaue ich mit einem geschärften Blick für Architektur und Dynamik auf diese Weltkriegs-Prognosen: Ein klassischer Krieg mit Panzern und Fronten wäre logistisch ein riesiges, zentral gesteuertes Mammutprojekt – sagen wir bildhaft: wie ein gigantisches Sinfonieorchester mit achtfach besetzten Pauken.  Brutal, aber mit einem klaren, großen Ablauf, der enorme staatliche Ressourcen voraussetzt. Die reale Bedrohung von heute funktioniert genau spiegelbildlich. Sie ist kein lautes Orchester, sondern ein diffuses, unüberschaubares Hintergrundrauschen. Sie findet dezentral statt, durch tausend nadelstichartige Cyberangriffe, gezielte Falschnachrichten im Netz und Sabotage im Alltag. Das Ziel ist nicht die Eroberung von Land, sondern die pure Verwirrung und Zerrüttung unserer Gesellschaft. Wer uns jetzt permanent mit der veralteten Kulisse eines großen Panzerkrieges Angst macht, verkennt die eigentliche Partitur der modernen Kriegsführung. Das Ergebnis dieser falschen Panikmache ist kein geschärftes Problembewusstsein, sondern kollektive Taubheit: Wenn uns die Bedrohung als riesiges, unaufhaltsames Weltuntergangs-Szenario in der Zukunft serviert wird, schaltet das Gehirn irgendwann ab. Der Bürger wird dadurch nicht wachgerüttelt, sondern in eine bleierne Erschöpfung getrieben, in der er überhaupt nicht mehr an die eigene Handlungsfähigkeit glaubt. Die Welt geht mit Sicherheit nicht unter, aber wir verlieren schlicht Vernunft und Überblick und schießen uns selbst ab.

Wir sind aus dem Pandemie-Schock nahtlos in diese algorithmische Dauer-Paralyse übergegangen. Getrieben vom gnadenlosen Klick-Kapitalismus, wurde die Angst als stabilste Währung für Aufmerksamkeit entdeckt. Uns wird im Sekundentakt die nächste Katastrophe – ob Klima, Krieg oder Kollaps – in die Feeds gespült, nicht um uns aufzuklären, sondern um uns mürbe zu machen. Das Ergebnis ist eine schlecht gelaunte, psychisch partiell zerrüttete Gesellschaft, die in einem chronischen Erschöpfungszustand verharrt: fragmentiert, überfordert und unfähig, überhaupt noch an eine Zukunft zu glauben.

Während diese digitale Erschöpfung ein globales Phänomen ist, bricht sich in Deutschland auch noch ein ganz spezifisches, historisch gewachsenes Sonderproblem Bahn. Aus dem berechtigten Grauen vor den missbrauchten Mythen und totalitären Heilsversprechen des 20. Jahrhunderts haben wir hierzulande einen fatalen Umkehrschluss gezogen: Jede Form von Klarheit, jedes kraftvolle, positive Narrativ und jede emotionale Bindung in der Kunst steht heute unter Generalverdacht. Die intellektuelle Elite hat gelernt, das Errichten von rettenden Strukturen reflexhaft als „naiv“, „manipulativ“ oder gar „verdächtig“ zu denunzieren. Man hat den Künstlern eingeredet, dass die reine Dekonstruktion der Weisheit letzter Schluss sei. Aus panischer Angst, das Falsche zu erzählen, erzählen wir lieber gar nichts mehr. Wir feiern die Zersplitterung und merken nicht, dass wir die Menschen damit in der algorithmischen Kälte des Netzes alleine lassen.

Die andere Seite dieser Medaille ist ein Paradoxon des modernen Kulturbetriebs: Musik darf scheinbar alles, solange sie nur ja nicht berührt. Sie darf dekonstruieren, verweigern und sich in intellektueller Distanz ergehen. Bloß keine Harmonie riskieren, bloß keine Melodie, die im Gedächtnis bleibt – denn das könnte im schlimmsten Fall „konsumierbar“ sein. Diese Szene hat sich aus lauter Angst vor dem Falschen selbst isoliert; es entsteht eine Ästhetik der Angst, maskiert als intellektueller Fortschritt. Dass diese Verweigerungshaltung der Hochkultur und die algorithmische Fragmentierung der Unterhaltungskultur Hand in Hand gehen, ist dabei nur ein scheinbarer Widerspruch.

Geradezu wie ein befreiender Kontrapunkt zu dieser Lähmung wirkt da der Blick auf die Ukraine. Mitten im Grauen eines Vernichtungskrieges, unter permanentem Sirenenalarm und russischem Raketenbeschuss, verweigern sich die dortigen Künstler der kollektiven Schockstarre. Sie spielen Konzerte in U-Bahn-Stationen, sie führen Theaterstücke in Kellern auf und komponieren neue Werke im Schützengraben. Sie tun das nicht als eskapistische Wellness, sondern als Akt des nackten, zivilisatorischen Widerstands. Es ist die lebendige Einlösung jenes berühmten, Winston Churchill zugeschriebenen Diktums, der sich geweigert haben soll, die Theater im bombardierten London zu schließen, mit der entwaffnenden Frage: „Wofür kämpfen wir denn sonst?“

Die ukrainischen Kulturschaffenden führen uns vor Augen, dass Kunst in der Krise kein verzichtbares Ornament ist, sondern das mentale Immunsystem einer Gesellschaft. Während die intellektuelle Elite im satten Westen das Erzählen von großen Bögen und sinnstiftenden Strukturen als naiv denunziert, verteidigen die Menschen dort unter Einsatz ihres Lebens genau das: das Recht auf eine kohärente, eigene Identität und Erzählung – als lebenswichtiges Bollwerk gegen die destruktive, algorithmische und reale Zerstückelung ihrer Welt. Von dieser Klarheit können wir lernen. Es wird Zeit, die Trägheit abzuschütteln, die Komfortzone der reinen Dekonstruktion zu verlassen und der grassierenden Hysterie endlich wieder das entgegenzusetzen, was uns als Menschen ausmacht: den Mut zum großen, tragfähigen Bogen. Die Gespenster werden sich verflüchtigen und wir werden sogar wieder gute Laune erleben.

 

 

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Der Irankrieg ist ein Sieg für den Nahen Osten

Entgegen der allgemeinen Darstellung war der Krieg keine Niederlage für die USA und Israel. Die Islamische Republik wird sich als Folge auflösen. Die arabischen Staaten bilden eine Allianz mit Israel. Auch China trägt Schaden davon. Deshalb war es ein Fehler, dass Europa sich herausgehalten hat. Eine Zwischenbilanz unseres Gastautors Georg Rößler aus Jerusalem.

Trump und Netanjahu machen es uns leicht, sich vom Krieg gegen den Iran abzugrenzen. Wer mal eben Grönland einkassieren will, weil er es will, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Auch Trumps Hetze gegen NATO kommt nicht gut, wenn sie für einen (möglicherweise sinnhaften) gemeinsamen Waffengang gewinnen will. Ähnliches gilt für Netanjahu: Seine Motive, innenpolitisch das eigene Land in Stücke zu reißen und militärische Konflikte auszudehnen, um der eigenen Verantwortung und einer möglichen gerichtlichen Verurteilung zu entgehen, können nur zweifelhaft erscheinen. Weiterlesen

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Je näher der Kirche, desto ferner der AfD

Stadtkirche Meinigen

Die Kirchen sind ein Bollwerk gegen die AfD, die sie deshalb bekämpft. Praktizierende Christen halten deutlich mehr Abstand zu der rechtsautoritären Partei als in Meldungen über jüngste Umfragen behauptet.

Mit dem gen 30 Prozent strebenden Stimmenanteil der AfD in Umfragen wächst auch der Anteil der Kirchenmitglieder, die den Rechtsradikalen zuneigen. Alles andere wäre eine Überraschung, denn Zeittrends samt ihren „Irrungen und Wirrungen“ gehen nie spurlos an großen Glaubensgemeinschaften vorbei. Dies wurde etwa infolge der 68er-Revolution auch im Kirchenmilieu sichtbar.Bis heute schmerzhaft ist die Verführbarkeit von Christen in den Dreißigerjahren, als es unter dem Einfluss des Nationalsozialismus eine opportunistische Kirchenaustrittsbewegung und Zweidrittelmehrheiten der „Deutschen Christen“ in evangelischen Synoden gab. Weiterlesen

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Wozu Lyrik gut sein kann: Axel Reitels Gedichte

Wozu Lyrik? Es gibt zum Glück darauf viele Antworten. Zum Beispiel Eingängigkeit:

Kuno sprach zu Kunigunde: Paech-Brot ist in aller Munde / Doch ist’s nicht fein, das gilt für jeden, mit Brot von Paech im Mund zu reden.

Die Werbegedichte für Paech-Brot hingen früher in der Berliner U-Bahn, und da ich auf der Fahrt von Zoo bis Tegel – Leopoldplatz umsteigen – sonst nichts zu tun hatte in jener Zeit, als es keine Smartphones gab, habe ich sie memorisiert. (Unser Deutschlehrer hingegen meinte, zwischen Zoo und Hansaplatz würde er unsere Arbeiten korrigieren. Mehr Zeit auf unsere Ergüsse zu verwenden, wäre Verschwendung.)

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Wenn das Kaninchen schwarz-rot und die Schlange blau ist

Sinnig: blaue und rot und und schwarz umrandete Überschriften auf bild.de

Man sehe mir nach, dass ich einen Screenshot aus bild.de vom 18. Mai 2026 zur Illustration meiner Gedanken teile. 
Obwohl das Blatt sich sonst jedem Tierthema ausgiebig zu widmen pflegt (unbelehrbare, versterbende Wale; entlaufene, gemeuchelte Tiger, aggressive Kühe in Österreich). fehlen Kaninchen und Schlange. Das ist schade und kaum entschuldbar.


Diese Wesen aus der Redewendung sind leicht zu identifizieren: Das Kaninchen ist natürlich die schwarz-rote Koalition. Niedlich aus der Entfernung, kleinlaut beim Näherkommen, wenig selbstbewusst und in der Natur außer als Raubvogelsnack kaum wahrnehmbar. Die Schlange hingegen ist die AfD: listig, fast unhörbar, höchst gefährlich und als schlankes Wesen für Etliche attraktiv, gerade wegen der Unheimlichkeit faszinierend. Weiterlesen

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Gas geben gegen den fossilen Völkermord

Das Denkmal „Verwüstete Stadt“ in Rotterdam erinnert an die fast vollständige Zerstörung der Hafenmetropole durch die deutsche Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg

Während ich dies schrieb, versuchte die niederländische Polizei, Demonstranten einer Aktivisten-Gruppe namens „Geef Tegengas“ – was so viel bedeutet wie „Gas in die andere Richtung geben“ – von Gleisen zum Rotterdamer Hafen zu entfernen, auf die sich gelegt hatten. 

Der Hafen schlägt jährlich mehr als 400 Millionen Tonnen Fracht um, darunter Kohle, Eisenerz, Getreide, Öl, Chemikalien, flauschige Teddybären aus China und – offenbar – Waffen für Israel.

Die Gruppe verkündete bereits nach drei Tagen stolz, sie habe dem Hafen 30 Millionen Euro an entgangenen Einnahmen gekostet. Die Güterzüge werden sich wahrscheinlich bis nach Basel, wenn nicht bis nach Chiasso zurück stauen. Das ist das europäische Landäquivalent zur Blockade der Straße von Hormus. Weiterlesen

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Die Brian-Jones-Legende

Die Rolling Stones 1963. Foto: Public Domain via Wikimedia Commons

Weil ein Freund und Bandkollege den Film lobte, schaute ich mir auf arte „Brian Jones und die Rolling Stones“ an. Na ja.

Nun muss man vorwegsagen, dass vieles, was mir am Film von Nick Broomfield nicht gefällt, auf 99 Prozent aller so genannten Dokumentarfilme zu Popstars zutrifft. Sie werden zusammengestoppelt aus Interviews mit mehr oder weniger bedeutenden Zeitgenossen, die sich meistens für erheblich bedeutender halten, als sie es sind oder waren, und dazwischen gibt es Konzertmitschnitte, die meistens aus Copyrightgründen frustrierend kurz sind oder – wie in diesem Film – zuweilen mit anderer Musik unterlegt sind; oder andere zeitgenössische Aufnahmen, die so manipuliert werden, dass sie scheinbar zur Aussage des Films passen.

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Die FDP drückt sich vor einer Entscheidung

Künftiger FDP-Chef Wolfgang Kubicki. Foto: Olaf Kosinsky. Quelle: Wikimedia CC BY-SA 3.0 de

In anderthalb Wochen wählt die Partei einen neuen Vorsitzenden, aber gegenwärtig herrscht in dieser traditionsreichen Partei Chaos und Einheitsbrei. Anders kann man den Zustand, der Klarheit, unterschiedliche politische Angebote und Richtungsentscheidungen nicht zulässt, nicht beschreiben.

Wettbewerb sieht anders aus, wenn Henning Höne und Wolfgang Kubicki nicht gegeneinander antreten. Wäre ich noch Mitglied der Freien Demokraten, würden meine Sympathien Wolfgang Kubicki gelten. Genau deshalb finde ich es fatal, dass diese Kampfabstimmung nicht stattfindet.

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Wenn der Daueralarm nicht mehr haltbar ist: Klimarealismus statt Klimareligion

Klimarealismus anstatt Klimareligion! Grafik: DALL-E

Es gibt Sätze, die lange als unanständig galten. Einer davon lautet: Vielleicht geht die Welt doch nicht unter. Nicht, weil es keinen Klimawandel gibt. Nicht, weil CO₂ in der Atmosphäre keine Wirkung hätte. Sondern weil aus einem realen Problem ein politisches Erlösungsprogramm geworden ist, das immer weniger nach nüchterner Abwägung klingt und immer mehr nach Glaubensbekenntnis.

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Wir sind Timmy. Und das ist gut so.

Pierre-Narcisse Têtu (1836-1878): Ein toter Wal wird von Wölfen gefressen. Bild: Public Domain

Zugegeben, ich komme aus einem Land, das für seine überbordende Tierliebe oft verspottet wird. Als erstes Land der Welt hatten wir eine Gesellschaft zum Schutz der Tiere vor Grausamkeit, sogar mit königlichem Patent. Übrigens noch vor der entsprechenden Gesellschaft zum Schutz der Kinder vor Grausamkeit.

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Walhalla ist überall. Ein voreiliger Nachruf

Nicht Jimmy im Aquarium, aber so ähnlich. Bild von Bianca Van Dijk auf Pixabay

Dieser Text ist Fiktion. Das erkennt man schon daran, dass der Protagonist Jimmy heißt und nicht etwa ähnlich. Es wird versucht, einem Phänomen auf die Schliche zu kommen, das selbst Donald Trump, dem Tankrabatt und Diktator Kim den ersten Rang in der Live-Ticker-Hitparade streitig machte.

Am Samstag, 16. Mai 2026, meldete eine bekannte Publikation um 8.50 Uhr, dass es sich bei einem gefundenen toten Wal höchstwahrscheinlich um Jimmy handele, und begründet dies wissenschaftlich: „Laut Statistik kann es sich bei dem vor Anholt angespülten Walkadaver nur um den toten Timmy handeln.“ Fakten statt Spekulation. Das erwartet man von einem Medium, das nur der Wahrheit, und nichts als der Wahrheit, verpflichtet ist. Weiterlesen

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