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Was die deutsche Politik von Donald Trump lernen kann

Deutschland ist richtig gut darin, den US-Präsident als das Böse zu markieren. Ansonsten schon bald in nichts mehr, wenn wir nicht aufpassen. Bild von kirill_makes_pics auf Pixabay

Spielräume schaffen. Das kann der amerikanische Präsident. Man wacht morgens auf und liest, dass sich die USA von der Klimapolitik verabschieden. Einfach so. Egal, wie man inhaltlich zur Politik von Donald Trump steht – in der deutschen Politiklandschaft kann das niemand. In Berlin können wir nicht mal Salz auf die glatten Straßen streuen, wenn der Winter kommt. In Deutschland wird vor allem abgewickelt, fantasielos vollzogen und argwöhnisch auf Leute geschaut, die das entschlossene Handeln noch nicht verlernt haben. 

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„Das Mullah-Regime muss fallen“

Eine Exil-Iranerin schildert, was sie durch Schergen des islamischen Regimes erlitten hat, wieso sie sich auch vor dessen linken Unterstützern fürchtet, und weshalb sie dennoch wie Hunderttausende in München gegen die die Mullahs demonstriert.

Ich bin verzweifelt, wenn ich sehe, was in meiner Heimat geschehen ist und immer noch geschieht. Es zerreißt mir das Herz. Seit 47 Jahren unterdrücken die Mullahs das Volk, besonders die Frauen. Sie rauben das Land aus, das eigentlich sehr reich ist. Sie nehmen den Menschen alles. In Teheran, meiner Heimatstadt, gibt es nicht einmal mehr Wasser, weil die Gegend durch ihre jahrzehntelange Misswirtschaft ausgetrocknet ist. Weiterlesen

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Der Film-Club (1) Night Moves: Halb Hollywood einen geblasen

Filmposter von 1975. Wikipedia / Warner Bros. / Public Domain

Eine Freundin empfahl mir David Gilmours Buch „The Film Club“. Der Plot ist, kurz gesagt: ein Vater erlaubt seinem Sohn, die Schule zu schmeißen, einzige Bedingung: sie müssen zusammen zwei Filme die Woche schauen. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Familienroman und fortlaufender Filmkritik.

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„….und ich bin auf See…“ – Die letzten Tage von Jacques Brel 

Foto: Jacques Brel by Universal

Polynesien 1977: Als Jacques Brel in seinem selbst gewählten Exil, der Marquesas-Insel Hiva Oa, den Entschluss fasst, sein letztes Album „Les Marquises“ aufzunehmen, ist er längst vom nahenden Tode gezeichnet. Bösartige Krebsgeschwüre wüten seit mehr als drei Jahren in seinem ausgezehrten Körper. Der ehemals stimmgewaltige König des Chansons besitzt nur noch einen Lungenflügel, und das letzte echte Studioalbum mit eigenen Liedern liegt bereits eine volle Dekade zurück („J’arrive“, 1968).

Im milden Südseeklima geben die Ärzte Brel bei Schonung mit Glück noch wenige Jahre.

Doch welkendes Siechtum ist nicht Sache dieses stets umtriebigen Charakters. Keine Sekunde.

„Lieber noch eine letzte Platte und dann ist mit einem Knall Schluss, als hier zu sitzen und auf den Tod zu warten!“

Von Paris aus ein letzter Paukenschlag statt welkendes Siechtum in der Südsee Weiterlesen

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Nach Schirrmacher

Foto: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5c/Frank_Schirrmacher.jpg?20170804181941, File Upload Bot (Magnus Manske) (talk | contribs) (weitere Infos am Ende des Textes*)

Gute Feuilletons gibt es in Deutschland noch immer. Auch ohne Frank Schirrmacher. Warum eine solche zwischenmenschlich nicht einfache Persönlichkeit heute dennoch gebraucht wird, zeigt die Entwicklung des Kulturjournalismus seit seinem Tod.

Am Ende hat er dann doch versagt. Es gab keine Nachfolger, denen seine übergroßen Schuhe gepasst hätten. Vermutlich hatte er nicht mit einem derart frühen Ableben gerechnet. Vielleicht aber lag es auch daran, dass er keine Götter neben sich duldete. Schon gar nicht junge und aufstrebende, die sich ihren Weg genauso entschlossen und gerissen nach oben bahnen wollten wie einst er.

Seit Frank Schirrmacher 2014 im Alter von 54 Jahren starb, ist das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum bloßen Kulturteil verkommen. Natürlich werden dort auch weiterhin neue Bücher, Filme, Platten, Ausstellungen und Theaterstücke besprochen (man hat ja schließlich eine Servicepflicht gegenüber den Lesern), aber öffentliche Debatten werden keine mehr angestoßen. Weiterlesen

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Vom russischen und vom unrussischen Lied

Kennen Sie dieses russische Lied von der Katjuscha?:

„Leuchtend prangten ringsum Apfelblüten,
still vom Fluss zog Nebel noch ins Land;

Bild oben (aus Wikipedia): Der Apfel blüht auch in Ostsibirien

… durch die Wiesen kam hurtig Katjuscha
zu des Flusses steiler Uferwand.“

„Ja“ So sagen die einen, „So zukunftsgewiss ist sie halt, die große russische Seele.“ Mit diesem Lied von der Katjuscha und dem Brieflein von der Front, welches der Liebste schrieb.

Andere hingegen verweisen auf die dritte Strophe, heute gern vorgetragen vom Alexandrow-Ensemble, einem Chor der Russischen Streitkräfte und sagen: „So verlogen sind sie halt, die Russen, mit ihrem Singsang:“ Weiterlesen

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In Mittelfranken unterwegs: Dinkelsbühl und Treuchtlingen

Nach Dinkelsbühl zu fahren, das bedeutet, in eine andere Welt einzutauchen. Hinein ins „Romantische Franken“, was hier mehr ist als ein touristischer Slogan. Hier in der Region, da finden sich die großen Perlen mittelalterlicher Städte. Natürlich Rothenburg ob der Tauber, Nördlingen, Kleinode wie Wolframs-Eschenbach – oder eben Dinkelsbühl, jene Stadt, die immer wieder mal zur „schönsten Altstadt Deutschlands“ gekürt wird.

Doch Dinkelsbühl will kein Freilichtmuseum sein – und jetzt, im Winter, ist die Stadt auch vergleichsweise wenig besucht. Überall Türme, Tore, prächtiges Fachwerk, Patrizierhäuser wie der „Hezelhof“ und das „Deutsche Haus“, das Heiliggeistspital oder großartige Kirchenbauten, allen voran das Münster St. Georg. Und drum herum: Weiher, Wiesen und Parks. Wanderwege, herrliche Radstrecken und auch ein Fluss-Bad an der Wörnitz gibt es.

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Zwischen Insomnia und Inkompetenz – Keith Jarretts legendäres Köln Concert

Fotocredit: Artwork by ECM/Universal/Jarrett – Official Album Cover

Keith Jarretts „The Köln Concert“ (1975)  ist mehr als nur ein Juwel des Jazz und der Improvisationskunst. Jarretts damalige Solopiano-Performance ist zugleich ein sinnlicher Solitär, der Jazz-Fans wie Hipster gleichermaßen verzaubert. Dabei begann Jarrets Aufenthalt in Köln mit einem unzumutbaren Hiotelzimmer und völlig verstimmten Klaviert auf der Bühne äußerst widrig. Bis der Pausengong der Kölner Oper für Jarrett zum Fanal für ein akustisches Wunder wird.

Kubanke liest Kubanke: Der Text als Video

Es ist sicher keine Alltäglichkeit, wenn ein Album, das bei Jazz/Klassik einsortiert ist, knapp vier Millionen Exemplare verkauft. Das alles sogar ohne großen Werbeaufwand, nur aufgrund simpler Mundpropaganda. Das Album, um das es hier geht, avancierte vom schicken Geheimtipp zu einem popkulturellen Aushängeschild, das Conaisseure wie Hipster gleichermaßen auf dem heimischen Plattenteller zirkulieren lassen. Mit anderen Worten: Es dreht sich hier um Keith Jarretts „The Köln Concert“.

Pure Schönheit und emotionalisierende Klänge, die sich jeder Kategorisierung erfolgreich verweigern Weiterlesen

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ARD und ZDF – Fossilien unter dem Patronat des Verfassungsgerichts

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat sich über die Jahre zu einem Medienkonglomerat entwickelt. Dabei hat er leider mit den Entwicklungen der Zeit in vielfacher Hinsicht nicht Schritt gehalten. Statt notwendige fundamentale Korrekturen im Programm vorzunehmen, verlässt er sich auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Verweigert die Politik die geüwnschte finanzielle Ausstattung, werden die Sender grantig – wie Ende 2024, als ARD und ZDF beim Bundesverfassungsgericht dagegen klagten.

Am Anfang stehen 1945 die britischen und amerikanischen Alliierten. Nach dem Krieg richten sie in ihren Besatzungszonen einen neuen Rundfunk ein. Anders als der staatsgelenkte Propagandarundfunk der Nationalsozialisten soll er dezentral und staatsfern organisiert sein. Aus diesen Anfängen entstehen regionale Rundfunkanstalten – ein Modell, das bis heute fortlebt.

So weit, so gut. Doch inzwischen sind knapp 80 Jahre vergangen. Was ist aus diesem Neuanfang geworden?

Das Medienkonglomerat ÖRR

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) ist heute eine einzigartige Zusammenballung von Medienbetrieben. Weiterlesen

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Warum wir den Juden den Holocaust nicht verzeihen

Fotocredit: iStock/marexx

Die Reaktionen auf den Krieg in Gaza zeigen: Noch immer müssen sich die Deutschen an ihrer Vergangenheit abarbeiten. Ein Fall für den Psychoanalytiker.

Es ist ziemlich einfach, zum Antisemiten zu werden. In der Grundschule war einer meiner Klassenkameraden Jude. Als ich ihn zuhause besuchte, biss mich der Hund der Familie in die Wade. Seitdem hege ich eine tiefe Abneigung gegen … Cockerspaniels.

Nein, so funktioniert das nicht! Ein derart ernstes Thema lässt sich nicht flapsig angehen. Eher so: Wenige Jahre später, Ende der 70er, zogen wir in die Niederlande. Im Fernsehen lief eine neue vierteilige Serie namens „Holocaust“, über die jeder redete. Im Fußballtraining wurde ich mit „Heil Hitler!“ begrüßt. So lernte ich als Zwölfjähriger auf die harte Tour, dass Deutsche nicht überall wohlgelitten waren und dass es dafür gute Gründe gab.

Die Sportreporter der 70er und 80er hatten diese Lektion verinnerlicht. Kommentatoren wie Ernst Huberty, Rudi Michels, Rolf Cramer oder Eberhard Figgemeier (der Letzte der alten Schule, danach kamen die Beckmanns und Kerners) bewahrten selbst dann die Contenance, wenn die Bundesrepublik bei einer Fußball-WM gerade ein glorreiches Match gewonnen hatte. Als Deutscher ziemte es sich nicht, Hurrapatriotismus zu zeigen.

Die falsche „Lea“ Weiterlesen

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There are places I’ll remember … (3). Bruce Springsteen, der Rostgürtel und die Straßen von Minneapolis

Bruce Springsteen erhält von Präsident Barack Obama die Freiheitsmedaille. Foto: Pete Souza, Public Domain

Zu den vielen Vorwürfen, die gegen die so genannte Elite – gemeint ist die akademisch gebildete Mittelschicht, die seit der Bildungsexplosion der 1960er Jahre in den Medien und Erziehungsinstitutionen, den Parlamenten und dem Staatsapparat tonangebend ist – vorgebracht werden, gehört die Behauptung, sie habe nie die Sorgen und Wünsche derjenigen ernst genommen, die sie sozial zurückgelassen haben. Das räche sich nun im Aufstieg der Populisten.

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