Auf der Demo in Tel-Aviv, 25. März 2025. Foto: Alan Posener
Als ich sah, wie der Rassist und Terrorbefürworter Itamar Ben-Gvir mit Champagner auf die Verabschiedung eines Gesetzes in der Knesset anstieß, das die Todesstrafe für arabische Terroristen vorsieht, wurde mr übel. Ich musste an ein Gespräch denken, das ich vor Jahren mit meinem israelischen Cousin Yohanan und seiner Frau Hanna führte.
Ist es nicht wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten gleichzeitig? Keine Deepfakes, kein Trump, kein Krieg. Friede, Freude Eiersuchen. Hätten wir nicht die Qualitätsmedien, wüssten wir nicht, was die aktuell wirklich wichtigen Themen sind. Ein Buckelwal liegt vor der Küste rum, die Nachrichtensendungen sind voll Mitgefühl. Ein Raumschiff ist unterwegs zum Mond. Wir fiebern mit, und der SPIEGEL betrachtet das Thema: „Duzen, wenn ja und warum dann vielleicht doch nicht?“ als titelwürdig.
Ja, das ist doch mal ein „softes“ Thema, zu dem jeder was sagen kann. Sogar der alte Zimmer, der sich schon seit seiner Jugend damit rumschlägt und sich dabei nachhaltig amüsiert. Weiterlesen
Der Autor Andreas Tölke mit Yuila in Odessa. Foto: A. Toelke
Ausnahmsweise bin ich in Berlin. Und videochatte mit Yulia in Odessa, wo ich eigentlich meistens bin und aktuell sein wollte. Über ihrem Haus hört man die Drohnen. Ab und zu wird im Screen der Himmel taghell, weil die Abwehrflak eine Drohne abgeschossen hat. Sie geht nicht in den Bunker, weil sie vorher auf der App geguckt hat, welche Ziele die Drohnen ansteuern. Ihr Viertel ist nicht dabei. Ob das immer so stimmt, ist zweifelhaft. Sie wartet, bis der Angriff vorbei ist, der laut Flugbahnen den Hafen im Visier und Außenbezirke als Ziel hat.
Das geht fast jede Nacht so. Diese Nacht hat sie Glück, weil es immerhin Strom gibt. Strom, der ihr Handy versorgt. Parallel zu den Schüssen der Abwehrflak quatschen wir über dies und das. Krieg ist für sie Alltag, und wie die meisten Ukrainer und Ukrainerinnen denkt und hofft Yulia: Dieses Mal geht es wieder gut. Weiterlesen
Auferstehung Christi, 1499, von Perugino. Quelle: Wikimedia
Das Auf und Nieder der Volksstimmungen, nun massiv verstärkt durch die klassischen und sozialen Medien, kannte man schon im alten Rom und Jerusalem. Heute König – morgen Verbrecher: Auch davon handelt die Passions- und Ostergeschichte. Mit Happyend für die, die daran glauben. Erlebt das auch die FDP mit Kubicki?
An Palmsonntag, so erzählen es die Evangelisten, zieht der jüdische Wanderprediger Jesus von Nazareth mit seinen Jüngern in Jerusalem ein, dem politischen und religiösen Zentrum der Israeliten. Das Volk jubelt ihm zu mit Hilferufen an einen König oder Gott. Er soll sie von der römischen Fremdherrschaft befreien. Doch schon fünf Tage später, als Roms Statthalter Pilatus seine Freilassung anbietet, weil er keine Schuld an ihm sieht, wünscht ihn die Menge ans Kreuz. Weiterlesen
„Wo bleibt das Positive?“, wurde Erich Kästner oft gefragt. Hier ist es: ein kurzes Erlebnis zu nachtschlafender Zeit. „Träum ich oder wach ich?“, war für mich die Frage. Denn wie aus dem Nichts fiel mir im Schlaf eine uralte Begebenheit ein, die bereits drei Jahrzehnte zurückliegt. Das menschliche Gehirn ist ein wahrer Zauberkasten. Doch der Reihe nach. Weiterlesen
Die Dreifaltigkeit mit der Weltkugel – Gott Vater, der Sohn Jesus Christus, über ihnen schwebend der Hl Geist. Ikone von Elias Moskos oder Michail Damaskinos, 16. Jh. Quelle: Wikimedia
Vorbemerkung: „Werter Hr. Rothschild, wie kriegt man es als Rabbi hin, die Vorahnungen in der Tora über die Trinität des Herrn abzulehnen, Gen 1,1-3, Gen 1,26, aber an des ‚Herrn‘ Stimme aus einem ‚brennenden Dornbusch‘ zu glauben?“ So hat ein Leser auf meinen ersten Beitrag zu Ostern und Pessach gefragt. Hier die Antwort des Rabbiners.
Was ist der Unterschied zwischen Trinität und Pietät?
Die Trinitätslehre ist besonders wichtig für Christen, die Gott und den Sohn Gottes theologisch gesehen auf einer Stufe stehen sehen wollen und den „Heiligen Geist“, der beispielsweise die Jünger an Pfingstern inspirierte, als Teil Gottes – etwa als Gottes Stimme – oder als eigenständiges Wesen innerhalb der Gottheit charakterisieren. Aber wie soll ein Jude das verstehen? Weiterlesen
Einhellige Kritik an der Entscheidung des israelischen Parlaments, die Todesstrafe auf palästinensische Terroristen auszuweiten
Israelkritik ist ein beliebtes Hobby, besonders in Deutschland. Vielleicht, weil den Deutschen der Holocaust und damit die Basis für die Gründung des jüdischen Staates schwer auf dem Gewissen lastet. Denn: Ohne Israel Weltfrieden, soviel ist sicher. Oder?
Aber mal im Ernst: Seitdem die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfallen und 1200 Bewohner – ganz überwiegend Zivilisten übrigens – hinterhältig massakriert hat, hat der Propagandakampf, in dem es darum geht, den Staat Israel zu delegitimieren, verstärkt an Fahrt aufgenommen.
Seit heute gilt die neue 12-Uhr-Regel an den Tankstellen. Benzin und Diesel dürfen nur noch einmal pro Tag teurer werden, und zwar mittags. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Die Bundesregierung verspricht sich davon mehr Transparenz und weniger hektische Preissprünge. Doch schon der erste Tag zeigt, wie begrenzt diese Hoffnung ist. ZDFheute berichtete am Mittwoch von einem deutlichen Preissprung von mehr als vier Cent zur Mittagszeit, mancherorts gab es Preissprünge von mehr als 20 Cent. Der ADAC hält ohnehin vor allem Veränderungen im Tagesverlauf für wahrscheinlich, nicht aber ein dauerhaft niedrigeres Preisniveau. Mit anderen Worten: Die Bühne wird neu dekoriert, das Stück bleibt dasselbe.
Die Schriftstellerin und frühere Journalistin Safeta Obhodjas lebt seit 1992 in Deutschland. Foto: @ Claudia Taylor
Unsere Gastautorien, die aus Bosnien stammende Schriftstellerin Safeta Obhodjas, verzweifelt, weil viele Islam-Experten die Probleme bei der Integration von Muslimen zwar benennen, aber niemand sich zuständig fühlt, sie anzugehen.
Seit etlichen Jahren treten viele frei denkenden Menschen auf, die in der Medienlandschaft als kompetente Islam-Experten und Kenner der gesellschaftlichen Zerwürfnisse fungieren. Ihre Berichte und Analysen registrieren übereinstimmend eine auf der Strecke gebliebene Integration und fordern verstärkte Bemühungen. Sehr gefragt sind sie immer dann, wenn die Gesellschaft wieder einmal durch grausame Taten zugewanderter junger Männer erschüttert wird, seien es Terrorattacken oder Vergewaltigungen und Ermordungen junger deutschstämmiger Mädchen und Frauen, Krawalle in den Großstädten, Messerattacken, Tötungen usw. Weiterlesen
Jürgen Habermas lebte lange genug, um eine Welt zu erleben, die sein Ideal eines vernunftgeleiteten, herrschaftsfreien Diskurses wie eine Diva ein altmodisches Kleid abgelegt hatte. Mehr als zwanzig Jahre zuvor allerdings hatte er im Dialog mit dem späteren Papst Joseph Ratzinger erlebt, vielleicht sogarzeigen wollen, dass die Vernunft gegen Dogmatiker machtlos ist.